III/1 Turdus Merula stirbt

Endi trat aus dem Haus und schaute direkt in die stumpfen Augen einer sterbenden Amsel. Die Amsel saß in unnatürlicher Stellung auf dem Boden, die Beine unter dem Gefieder verborgen. Sie atmete noch gleichmäßig – unterhalb ihres rechten Flügels hatte sie jedoch eine blutverschmierte Wunde. Vermutlich war sie einer der zahlreichen Gartenkatzen der Gegend in die Klauen geraten.

Er schaute dem sterbenden Tier in die Augen und hatte im selben Moment den Eindruck das Bewusstsein des Tieres zu übernehmen. Augenblicklich war sein Kopf leer. Er hatte keine Gedanken mehr. Er spürte auch nicht mehr die Endi-Person. Alles war dumpfes, dunkles unmittelbares Dasein. Er spürte keinen Schmerz. In rotbraunen Wellen glitt die eigene Existenz davon. Und wieder roch er den Geruch des Todes. Dieses Mal hatte der Tod nichts Metallisches, nichts Hartes. Dieses Mal war er modrig, erdig, faulig. Mit diesem Gedanken tauchte die Endi-Person wieder auf und übernahm die Hoheit auf der Brücke des Bewusstseins. Der Vogel schloß die Augen und starb.

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