Was ist prätentiös? I

Der Autor liest.

Der Autor betritt zusammen mit der Organisatorin und der Moderatorin den abgedunkelten und klimatisierten Raum. Die Organisatorin freut sich, den Autor endlich in der Stadt begrüßen zu können. Die Moderatorin, Inhaberin des Lehrstuhls für Literatur an der Universität der Stadt, ist dankbar endlich den Autor bei einer Lesung moderieren zu dürfen. Bestimmt werden wir nach der Lesung die Gelegenheit zu spannenden Gesprächen mit dem Autor haben. Der neue Roman kommt passend zum Jahrestag des historischen Helden heraus. Der Autor hat extra die Sprache des Romans an das Jahrhundert der Handlung angepasst.

Teutsch!

Deckel hüten schweflige Worte, Runen werden geritzt und Strohsäcke faulig gelegen. Für die Sprachwissenschaft ist es erstaunlich, wie sich der Autor immer wieder neu erfindet.

Der Autor schaltet seine historische Lesestimme ein. Der auf- und abschwellende Singsang wird von den üppig beringten Fingern wie mit einem Taktstock dirigiert. Seite um Seite lässt der Autor – nur mit der Macht seiner Prosa und seiner Stimme – vergangene Jahrhunderte in den Ohren der Leser aufleben. Das Publikum ist zu einem Teil sediert, zum anderen ehrlich begeistert … manche verlassen diskret den Ort des Geschehens.

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