II/x Kein Bestandteil sein 3: 4AD

Endi fühlte sich beim Betreten seiner Wohnung gut. Ungewöhnlich gut. Er überlegte warum er sich gut fühlte und ihm wurde klar wie wichtig ihm Fog war. Oder vielleicht gar nicht so sehr Fog als Person, sondern eher die Aufmerksamkeit die er durch Fogs Kenntnis seiner Ausstellung erfahren hatte. Er legte The Moon and the Melodies auf. Ambient mit Gothic-Einfluss. Er betrachtete das Cover dieser Kollaborationsplatte der Cocteau Twins mit Harold Budd. Es zeigte den Blick in den spiralenförmigen Sog eines Käschers oder Weidenkorbs. Wie so häufig bei den Werken vom 4AD-Label ergaben Musik und Artwork eine sich ergänzende Einheit. Während der Blick in die leicht verzerrten Strukturen der Spirale einen Abwärtssog beim Betrachter verursachte, verstärkten die flächigen und stark verzerrten Gitarrensounds mit einzelnen verfremdeten Piano-Einwürfen beim Hören diesen Eindruck. An vielen Tagen hätte diese Kombination bei Endi zu Gefühlen der Isolation geführt. Nicht so heute. Obwohl es erst ein Uhr am Mittag war nahm er den bestimmt extrem teuren Whiskey, den er beim letzten Besuch im Hause seines Vaters hatte mitgehen lassen aus seinem Karton, entkorkte sie, und nahm einen tiefen Schluck direkt aus der Flasche. Er fand Whiskey-Flaschen in Kartons albern, aber er dachte, nicht schlecht. Er schaute auf das Balvenie Aged 30 Years-Etikett, nahm einen weiteren Schluck und dachte, wirklich nicht schlecht.

Er schaute auf das Plattencover und mußte an Nadine denken. Das Bild erinnerte ihn an eine Serie von Fotos die sie während ihres einzigem gemeinsamen Urlaub gemacht hatte. Sie waren damals auf dem Höhepunkt ihrer Liebe gewesen und hatten vier glorreiche Wochen in Frankreich verbracht. In Marseille hatte Nadine mehrere Tage Motive für eine Serie maritimer Objekte mit Kennzeichen langer Benutzung gesucht. Die entstandenen Fotos fand Endi entsetzlich. Berge von Schiffstauen, abgerissene Fetzen von Fangnetzen, Fischkisten aus Plastik deren Kanten von der jahrelangen Nutzung vollkommen abgerundet waren. Er hatte sich in einem Maß über die Arbeiten lustig gemacht, das selbst für die normalerweise gegen Zynismus immune Nadine zu viel war. Er erinnert sich noch gut an seine Panik, als sie ihn in einem Restaurant sitzen lies nachdem er ihr gute Verkaufszahlen in der Ikea-Kunstabteilung prophezeit hatte. Sie kam erst nach zwei Nächten in ihr gemeinsames Hotelzimmer zurück, ohne ihm jemals gesagt zu haben wo sie die Zeit verbracht hatte. Er wußte damals noch nichts von ihrer Obsession fürs Ficken – zumindest nicht in der Variante als Gelegenheitsprostituierte. Ihr Sex war gut aber nicht besonders gut. Zuviel Vorspiel, zu viele Emotionen, zu wenig Schmutz. Er ahnte zu der Zeit nichts von der wirklichen Bedeutung, die Sex in Nadines Leben einnahm. Als sie nach nach zwei Tagen ohne irgendeine Erklärung wieder auftauchte, war seine unermeßliche Wut und sein aufgestauter Ärger innerhalb Minuten verflogen. Keiner erwähnte den Vorfall jemals wieder und sie machten weiter wie vorher.

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