Running Dinner

– Tag Endi.

– Tag Fog. Wie gehts?

– Geht so.

– Wasn los?

– Ich muss zu einem Running Dinner.

– Du mußt was?

Ich wußte, dass es ein Fehler war Endi von dem Running Dinner zu erzählen.

– Running Dinner. Du weißt doch was das ist, oder?

– Klar. Ich war auch ein paar Mal bei so einer Veranstaltung als ich noch mit Nadine zusammen war. Die stand auf so was.

– Und, wie wars?

– Eigentlich ganz OK, kommt eben drauf an mit was für Leuten du am Tisch sitzt. Wer hat dich denn eingeladen?

Logisch, mich lädt ja keiner ein.

– Kennst du nicht, ne Freundin meiner Schwester. Da müssen wohl immer Paare zusammenkommen und die Freundin hat ne Freundin, die ist lesbisch und ihre Frau hat sie gerade verlassen und die ist wohl auch ein bisschen schwierig. Jedenfalls ist der als Partner für die niemand besseres als ich eingefallen.

– Ist egal. Die triffst Du sowie so nicht. Die Runden werden ja nach jedem Gang wieder gemischt. Du hast mit der sogar am wenigsten zu tun – wenn das Ding gescheit geplant ist, kommen Paare nie bei einem Gang zusammen. Mußt du was kochen?

– Ja, einen Hauptgang.

– Dann haben die dich verarscht, da hat keiner Bock drauf und die brauchten noch´n Dummen. Mach auf jeden Fall was Einfaches. Bei meinem ersten Running Dinner war ich noch ganz frisch mit Nadine zusammen und wollte Eindruck machen. Wollte so ein super-ambitioniertes Gericht auftischen. Nach einer Stunden hatten die Leute noch nichts auf dem Teller und als dann alle fertig waren, waren die Teller noch voll. Du weißt ja wie ich kochen kann. War aber egal weil Nadine gar nicht dabei war, die war ja in einer anderen Runde, wußte ich aber vorher nicht.

Ja, wie Endi kochen konnte wußte ich. Wenn man da mal zum Essen war, wurde immer schwer mit irgendwelchem französischen Zeug auf die Kacke gehauen das dann wie Aldi-Ravioli aus der Mikrowelle schmeckte.

– Ich mach´n Irish Stew. Ist das Einzige was ich kann und hat schon hundert Mal funktioniert.

– Schlau!

– Was legt man denn da für Musik auf?

– Am besten Sophisti-Pop.

– Was?

Jetzt kam mit Sicherheit wieder so ein angelesener Listenscheiß.

– Sophisti-Pop eben. Die späten Platten von Roxy Music und Bryan Ferry. Grace Jones´ Nightclubbing, Style Council, Prefab Sprout oder auch Scritti Politti. Schöne, glatt produzierte Sachen mit nem guten Beat die man schön bei Kerzenlicht zu einem guten Glas Wein hören kann, ohne gleich einzuschlafen.

– Ich glaube da kommen viele jungen Menschen, die kann ich nicht mit so einem alten Schrott langweilen.

– Dann leg Destroyer auf oder Rhye oder wenn es englisch angehaucht sein soll Metronomy oder Belle and Sebastian.

– Ich glaube die stehen eher auf Jazz.

– Ach Du Scheiße. Bei so jemanden war ich auch mal. War so ein mittelmäßiger Architekt. Zum Essen gab es irgendwas mit roter Beete und Ziegenkäse und dazu Wasser.

– Wasser?

– Ja, aber mit und ohne Kohlensäure. Er meinte wir würden ja den Abend über noch genug Alkohol trinken, da wäre das nicht nötig. Und nachher auf der Party hat er sich über die Musik beschwert. Zu laut und zu viel Bass. Ob ich nicht mal die schönen Scheiben von Miles Davis auflegen könne die da im Schrank stünden. Als ich dann antwortete, die würde ich nur auflegen wenn ich alleine mit einer Frau wäre, wurde er sauer und ist dann nach zehn Minuten gegangen.

Ab dem Moment hatte ich eigentlich keine Lust mehr auf den Abend.

– Fog, ich muß los, viel Spaß heute Abend.

– Danke.

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